Eine unglaubliche Geschichte

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 19 – 70. Jahrestag Wiederbesiedelung Helgolands – Ein Grund zum Feiern

 

Dazu sagt die Vorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Eka von Kalben:

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

die Wiederbesiedlung einer Insel zu feiern ist schon etwas sehr Besonderes. Eine Insel wird evakuiert, in weiten Teilen zerstört und die Helgoländer kämpfen gegen alle Widerstände darum, ihre Insel wieder zu besiedeln. Eine unglaubliche Geschichte.

 

Gestatten sie mir einen Blick in einen für mich besonderen Teil dieser Geschichte: Im Dezember 1950 hissen zwei Studenten, Georg von Hatzfeld und René Leudesdorff, an einem Heizungsrohr zwei Fahnen auf der Insel Helgoland: die Deutsche und die Europäische. Sie wollen ein Zeichen gegen Krieg und die Wiederbewaffnung Deutschlands setzen.

 

Zu diesem Zeitpunkt ist Helgoland nicht besiedelt und wurde von den Briten als Bombenabwurfplatz genutzt. Dass die Insel dann am 1. März 1952 zur Wiederbesiedlung freigegeben und anschließend wieder eine Heimat für weit über tausend Menschen wird, hatten sicherlich die beiden Studenten in ihren kühnsten Träumen nicht zu glauben gewagt. Heimatliebe und der Wunsch nach all den Jahren auf dieser Insel in dieser einzigartigen Atmosphäre wieder leben zu können, haben hier zu einer großartigen Aufbauarbeit geführt.

 

Aber nun zu dem Antrag: Wir bekennen uns zu Helgoland, eine Insel, die durch ihre besondere Lage in der Nordsee vor besonderen Herausforderungen steht. Sie ist ein kleiner Mikrokosmos, auf dem es fast alles gibt, aber alles mit hohem Transportaufwand verbunden ist. Fast alles kommt per Schiff und muss so auch wieder weg, wie zum Beispiel der Müll. Im Winter gibt es nur einen eingeschränkten täglichen Pendelbetrieb mit Hin- und Rückfahrten nach Cuxhaven. Zum Beispiel kommt man Mittwoch und Samstag nicht mit dem Schiff von der Insel. Und bei der stürmischen Wetterlage wie letzte Woche gibt es gar keinen Fährbetrieb.

 

Helgoland ist ein kleiner Kosmos, in dem manche Dinge besonders exemplarisch hervortreten. Zum Beispiel die Herausforderung, den Artenschutz und den Tourismus unter einen Hut zu bekommen. Die Düne vor Helgoland bietet einen unschätzbaren Aufenthaltsort für Robben und Seehunde. Das beißt sich manchmal mit dem Tourismus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn zu bestimmten Zeiten belagern die Robben die Strände und es ist nicht ratsam, ihnen zu nahe zu kommen.

 

Eine andere Herausforderung ist der knappe Wohnraum. Eine Insel, die keine Möglichkeit hat sich auszubreiten, will Platz für Urlauber*innen anbieten, aber sie braucht eben auch Wohnraum für die Menschen, die dort leben und arbeiten.

 

Helgoland steht für eine einzigartige Vogelwelt. Die Insel ist gerade für Zugvögel ein wichtiger Ankerpunkt auf der Durchreise. Gleichzeitig ist sie für den Windkraftausbau ein wichtiger Versorgungsstandort. Auch da sind Interessenskonflikte nicht ausgeschlossen.

 

Die Menschen auf Helgoland wissen, dass man sich arrangieren muss. Mit Interessen, mit dem Wetter, mit der Umwelt. Und das alles mit Gelassenheit. Es ist unsere Aufgabe, diese wunderbare und einzigartige Insel in Schleswig-Holstein dabei zu unterstützen.

 

Ich möchte mit meinem Lieblingshelgoländer James Krüss enden: Und keine Angst, ich singe nicht aus dem Sängerkrieg der Heidehasen und habe auch mein Lachen nicht verkauft wie Timm Thaler.

 

„Irgendwo ins grüne Meer hat ein Gott mit leichtem Pinsel, Lächelnd, wie von ungefähr, einen Fleck getupft: Die Insel! Und dann hat er, gutgelaunt, Menschen diesen Fels gegeben und den Menschen zugeraunt: Liebt die Welt und lebt das Leben!“

 

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