Management des Wassers: Im Meggerkoog wird nicht gemeckert

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 17 – Bericht zur Strategie für die Zukunft der Niederungen bis 2100

 

Dazu sagt der klimapolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:

 

Sehr geehrter Präsident,

 

in meiner Heimat, der Wilstermarsch, liegt der niedrigste Punkt Deutschlands mit 3,54 Meter unter Normalnull. Daher bin ich mir über Niederungen schon lange im Klaren.

 

350000 ha der 1,5 Millionen ha sind durch Deiche geschützt; 20 Prozent des Landes sind unter 2,5 m über Normalnull - in Höhe und Struktur nicht einheitlich und auch nicht beim Boden. Dabei sind mineralische Marschenböden, unterschiedliche Typen Moorböden und weitere vielfältigen Flächen zu finden.

 

Ein umfangreiches Netz aus Gräben und eine große Anzahl technischer Bauwerke wie Siele und Schöpfwerke sorgen dafür, dass man in den Niederungsgebieten im Land keine nassen Füße bekommt. Oder jedenfalls nur manchmal.

 

Die Anlage dieses Systems zur großflächigen Entwässerung ist eine enorme technische und kulturelle Leistung, die in der Vergangenheit erbracht und stets weiterentwickelt wurde. Es ist immer noch eine erhebliche Leistung, dieses Netz intakt und die Anlagen betriebsbereit zu halten. Für die Entwässerung von Siedlungs- und Verkehrsflächen, Infrastruktur und landwirtschaftliche Flächen sind die Wasser- und Bodenverbände im Land zuständig. Für die Organisation möchte ich Ihnen an dieser Stelle meinen Dank aussprechen.

 

Sie, beziehungsweise der Marschenverband, waren es auch, die mit ihren Arbeiten unter dem Arbeitstitel „Niederungen 2050“ bereits vor einigen Jahren sehr gut aufgearbeitet haben, was aufgrund von Niederschlägen, Meeresspiegelanstieg, Klimawandel und hohem Sanierungsbedarf der Technik und Bauwerke auf uns zukommt. Welche erheblichen Kosten zu erwarten sind.

 

Wir schauen heute etwas anders auf die Thematik als noch vor Jahrzehnten. Wir haben inzwischen schmerzlich erfahren müssen, dass mit der tiefen Entwässerung auch eine Sackung der Böden einhergeht, dass wir, wenn wir weiter so tief pumpen, sich der technische und finanzielle Aufwand immer mehr erhöht und wir an einigen Stellen an die Grenze dessen geraten, was noch sinnvoll machbar ist.

 

Wir brauchen Speicher oder Puffer, um Wasser in der Region zu halten. Wir müssen uns immer mehr auf Extremwetterereignisse einstellen. Also einerseits vermehrt Starkregenereignisse. Darum ist es auch weiterhin wichtig, das Wasser aus manchen Gebieten schnell abführen zu können und besiedelte Bereiche vor Überflutungen zu schützen. Sie kennen unsere Anpassungen im Landeswassergesetz in der Küstenkoalition.

 

Aber auch die Hitze- und Trockenperioden nehmen zu, in denen wir das schöne viele Wasser gut gebrauchen könnten, das wir vorher weggepumpt haben. Wir können Entwässerung, auch die Tiefe der Entwässerung in einigen Bereichen zurücknehmen, wieder höhere Wasserstände fahren und leisten damit einen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel.

 

Aber wir schützen auch gleichzeitig das Klima, denn bei höheren Wasserständen wird weniger organische Substanz abgebaut und weniger CO2 freigesetzt. 20 Prozent der Treibhausgasemissionen des Landes kommen von organischen Böden. Moore und ihre Gewässer, die wir so in unterschiedlichem Umfang renaturieren, sind Hot Spots der Artenvielfalt. Wir gewinnen also dreifach.

 

Was sich so einfach anhört und manchmal auch so erzählt wird, ist natürlich in Wirklichkeit etwas komplizierter. Einfach die Gräben, Drainagen und Grüppeln dicht und die Pumpen aus - so kann es nicht gehen. Wir brauchen lokal ausgefeilte Konzepte und ein abgestuftes Vorgehen für unsere Niederungsbereiche. Dies kann nur unter Beteiligung aller relevanten Akteure in enger Zusammenarbeit insbesondere mit den Wasser- und Bodenverbänden erarbeitet werden. Mit räumlich differenzierten Betroffenheitsanalysen können vielfältige Optionen entwickelt werden. Darum müssen, wenn es ein großes Engagement und eine hohe Bereitschaft der Betroffenen gibt, durch ein ausgefeiltes Wasserstandmanagement neue Wege für Klima, Artenvielfalt und in der Nutzung möglich sein und diese auch ermöglicht werden.

 

Der Meggerkoog ist ein Beispiel, dass draußen nicht gemeckert, sondern schon an konstruktiven Lösungen gearbeitet wird. Wir brauchen eine schnelle und sichtbare Umsetzung zum Anschauen, lernen und weiterentwickeln.

 

Die Eckpunkte, wie der Minister sie vorgestellt hat, sind ein erster Schritt. Von hier aus können wir weitergehen. Ich bin mir sicher, auch in Zukunft sind unsere Niederungsbereiche attraktive Räume. Regionen, in denen wir zeigen können, wie angepasste Nutzungsformen mit Klima- und Naturschutz Hand in Hand gehen.

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